Den Körper erden für besseres Pushen, Pumpen und Longboard-Dancing

Die Erdung (das Herstellen einer festen Verbindung des Körpers mit dem Boden) ist kein rein theo-retisches Schlagwort aus esoterischen Kreisen, sondern ein tatsächlich umsetzbarer und erfahrbarer Zustand, bei dem mit der richtigen Körperhaltung und dem Einsatz des Körperschwerpunkts ideale Standfestigkeit und ein Gefühl von sicherer Ver-bundenheit mit dem Boden erzeugt werden kann, das auch gerne mit der tiefen Verwurzelung eines Baumes verglichen wird. Es mag wie ein Widerspruch erscheinen, aber eine feste Verbindung des Körpers mit dem Boden ermöglicht es erst, sich wirklich frei und effektiv zu bewegen. Dann werden die ausge-führten Bewegungen von der Kraft der Erde unter-stützt. Diesen Grundsatz aus dem Tai Chi können wir uns für das Erreichen der perfekten Balance beim Skaten zunutze machen.


Die Vorteile der Erdung für das Skaten:

  • optimales Gleichgewicht und ein sicherer Stand beim Pushen, Pumpen und Dancing
  • bessere Kontrolle über das Board beim Skaten
  • Entlastung der Knie und Verhinderung von Knieverletzungen, die durch Überbeanspruchung in Folge falscher Körperhaltung entstehen
  • mehr Leichtigkeit beim Pushen durch fließende geschmeidige Bewegungen, die durch einen verbesserten Fluß der körpereigenen Energie, des Chi, entstehen

Während meiner ChiPushing-Sessions an den Weihnachtsfeiertagen habe ich diesmal besondere Aufmerksamkeit auf das Tan Tien (Dan Tien), das Sammelzentrum des Chi in der Körpermitte, und auf den Einsatz des Körperschwerpunkts gelegt. Die positiven Auswirkungen, die sich dadurch beim Zusammenspiel des Körper mit dem Board während des Pushens zeigten, waren für mich der Anlaß, eine ausführliche Erläuterung zu dieses Thema zu verfassen.

 

Die Körpermitte und der Schwerpunkt des Körpers sind ein wichtiger Bestandteil einer guten Erdung. Die Grundvoraussetzung zum Erreichen der Erdung ist jedoch die Beherrschung der richtigen Körperhaltung. Im Tai Chi gibt es eine Übung in Form einer Standmeditation. Mit Hilfe dieser Übung lernt man, einen festen Stand einzunehmen und sich mit dem Boden zu verbinden; sich zu erden. Dieses Stehen entspricht der Grundhaltung, die ich als Grundlage und Ausgangspunkt für das ChiPushing bereits beschrieben habe. Wer ernsthaft Tai Chi übt und diese Kunst meistern will, muss diese Haltung perfekt beherrschen und ein guter Lehrer wird seinen Schüler anweisen, diese Standmeditation für sehr lange Zeit einzunehmen, bevor er überhaupt die Bewegungen lernen darf.

 

Wenn wir also eine gute Erdung beim Pushen erreichen wollen, empfiehlt es sich auch hier, diese Haltung vorher - zumindest kurz - einzunehmen. Wir stehen dabei mit den Füßen in schulterbreitem Abstand. Die Zehen zeigen gerade nach vorne. Wir richten unsere Wirbelsäule auf und gehen in die Knie. Die Knie bleiben locker und entspannt. Sie sollten nicht über die Zehenspitzen hinaus gebeugt werden. Der Körperschwerpunkt wird nun auf die Mitte der Fußsolen verteilt. Das heißt, die Fußballen vorne und die Fersen hinten werden gleichmäßig belastet. Für diese Übung gibt es in den jeweiligen Schulen des Tai Chi unterschiedliche Armhaltungen. Für unseren Zweck ist es jedoch ausreichend, die Arme locker an den Seiten hängen zu lassen. Für eine komplette Anleitung zur Körperhaltung verweise ich auf die Erklärung zum ChiPushing. Wer es sich zutraut, kann die Grundhaltung auch einüben während er auf dem Board steht. Voraussetzung ist jedoch, dass das Board nicht wegrollen kann.

 

Wir versuchen nun während etwa einer Minute zur Ruhe zu kommen und unseren Körper zu entspannen, während wir ruhig in den Bauch atmen. Anschließend konzentrieren wir uns auf das Tan Tien in unserer Körpermitte. Dieses Energiezentrum, in dem sich das Chi sammelt, befindet sich etwa zwei Fingerbreit unterhalb des Bauchnabels und in der Mitte des Körpers. Während wir unsere Aufmerksamkeit auf diesen Bereich richten, ihn wahrnehmen und in ihn hinein fühlen, lassen wir unseren Körperschwerpunkt vom Tan Tien in der Körpermitte gedanklich nach unten in die Füße wandern. Wir spüren bewußt den Boden oder das Board unter unseren Füßen und wie der Körperschwerpunkt durch die Fußsohlen über das Board nach unten geleitet bzw. direkt in den Boden geleitet wird. Zur Unterstützung können wir auch mit den großen Zehen in Richtung Boden greifen. Ziel der Übung ist es, über eine gedankliche Linie vom Tan Tien zu den Füßen ( und dem Board) eine feste Verbindung zur Erde zu erfahren.

 

Wenn wir diese Übung jedes Mal durchführen, bevor wir mit dem Board losfahren, werden wir unseren Körper mit der Zeit immer besser wahrnehmen und die Verbindung des Körpers mit dem Boden immer besser und schneller spüren. Schließlich wird es sogar möglich werden, die Existenz des Chi, als subtile innere Kraft, wahrzunehmen. Dann werden wir auch begreifen, wie diese Energie uns beim Pushen unterstützen kann, so dass wir bei der Fortbewegung nicht mehr ausschließlich auf unsere Muskelkraft angewiesen sind. Zusätzlich ermöglicht uns dieser Vorgang der Erdung, Geist und Körper mit dem Board zu verbinden und in Einklang zu bringen, so dass das Board nicht mehr nur ein Objekt darstellt, das wir anschieben müssen um uns fortzubewegen, sondern eine Art Verlängerung unserer Füße, die uns hilft, mühelos pushend vorwärts zu gleiten.

 

Um diesen erdenden Zustand auch beim Pushen umzusetzen ist es nun erforderlich, die eingeübte Grundhaltung auf die Bewegung zu übertragen und die Verbindung auch während der Bewegung zu fühlen und beizubehalten. Das bedeutet, in jeder Phase der Bewegung die Aufmerksamkeit auf das Tan Tien im Unterbauch zu richten und sich immer der Position des Körperschwerpunkts beim Einsatz der Beine bewußt zu sein. Das beginnt bereits mit der Einleitung des Pushens durch das Fallenlassen des Körpers nach vorne, wobei der Körper mit der Verlagerung des Schwerpunkts im Tan Tien und durch die Wirkung der Erdanziehung nach vorne gezogen wird. Die genaue Erläuterung zum Einsatz des Körpergewichts beim Pushen wurde auch bereits hier erklärt.

 

Für eine gute Erdung beim Pushen sollte der Körperschwerpunkt möglichst tief gehalten werden, was wir mit dem Absenken der Hüfte beim Beugen der Knie erreichen. Um die Knie dabei zu entlasten und Knieverletzungen zu vermeiden, sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Knie nicht so tief gebeugt werden, dass sie über die Zehenspitzen hinaus ragen. Außerdem sollten die Kniescheiben immer gerade nach vorne in Richtung der Zehen ausgerichtet sein und nicht nach innen oder außen verdreht werden. Das hilft dabei die Schwerkraft ungehindert nach unten zu den Füßen zu leiten ohne die Knie durch schädliche Verdrehungen zu beanspruchen. Erst wenn man mehr Erfahrung beim ChiPushing hat und der Körper Zeit hatte, sich an die korrekte Haltung der Knie zu gewöhnen und dabei die entsprechenden Muskelbereiche gestärkt wurden, kann man auch versuchen, zur Verstärkung der Erdung noch tiefer in die Knie zu gehen. Dabei werden die Knie zwangsweise über die Zehenspitzen hinaus gebeugt werden. Deshalb sollte der Körperschwerpunkt dann auch zu einem Großteil über die Fersen getragen werden, um die Körperschwerkraft über die Kniekehlen nach unten zu übertragen und nicht den vorderen Kniebereich und das Schienbein zu stark zu beanspruchen. Die oben genannten Regeln gelten sowohl für das Standbein auf dem Board als auch für das Pushbein.

 

Hat man die Körperhaltung und den Vorgang des Erdens einmal verinnerlicht, wird man mit einem Gefühl von maximaler Körperbeherrschung und Balance beim Pushen in jeder Geschwindigkeit belohnt werden und Verletzungen der Bein- und Fußgelenke werden der Vergangenheit angehören.

 

Zu diesem Zeitpunkt wird man dann die gleichen Prinzipien ganz intuitiv auch auf das Pumpen oder die Schrittfolgen beim Longboard-Dancing übertragen können.

 

Allen, die es versuchen möchten, wünsche ich viel Erfolg beim Umsetzen dieser Anleitung.